Roadtrip Tag Archive

  • Mein Madeira-Tagebuch IV: In steep cliffs with rocks all piled up …

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    … mysteries of your passing luck.
    Ages past shells and bits of bone forming new limestone
    To give things their turn.

    (Rilo Kiley: „Spectacular Views“ auf „Take Offs And Landings“)

    Vor einem Jahr wäre ich niemals auf die Idee gekommen, mir ganz allein ein Auto zu mieten und damit an einem Tag eine komplette Insel zu umrunden. Ich wäre viel zu schissrig gewesen und hätte nicht so recht gewusst, was ich mit mir allein anfangen soll.

    Bildschirmfoto 2016-03-23 um 23.24.40

    Jetzt hab ich’s einfach gemacht. Ohne lange zu überlegen. Ich hatte mein Auto, als Beifahrer dienten Landkarte, Handy, Sonnencreme, Kaugummis und die Abenteuerlust und schon waren wir on the road.

    Mein Ziel war, einmal um die komplette Insel zu fahren, um Madeira von allen Seiten zu sehen – und zwar mit meinen Augen und nicht mit denen, die in Reiseführer glotzen, oder diese geschrieben haben.

    Dazu hab ich mir Etappenziele auf der Strecke gesetzt. Orte, die ich sehen wollte, Naturspektakel, die ich erleben wollte, Plätze, die sich interessant anhörten.

    Kleine Bastelanleitung für ein Navi, wenn ihr wie ich keins im Auto habt:
    – Offline-Karte bei Google Maps runterladen (sonst explodiert euer Datenvolumen)
    – iPhone im Auto über USB anschließen, damit der Akku hält
    – rechten Oberschenkel eincremen, damit das iPhone schön dran pappen bleibt
    – Ziel eingeben, iPhone positionieren, los geht’s

    1. Stopp: Das Museu da Baleia in Caniçal
    Musste natürlich sein. Ist leider nicht sooo spektakulär, aber gut, war klar, dass sie da keine lebenden Wale vorführen.
    Wer noch nix über den Walfang vor Madeira weiß (da bin ich halt leider echt fit drin), sollte es aber besuchen.

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    2. Stopp: Cabo Sao Lorenço, die Landzunge ganz im Osten
    Dort kann man alles abwandern – oder wie ich (bekennender Nicht-Wanderfan, „Madeira? Cool, da kannst voll gut wandern“ – „Äh ja“) mit dem Auto hinfahren und an den besten Fleckchen aussteigen. So zum Beispiel hier:

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    (Mein total begeisterter Gesichtsausdruck gebührt den Wahnsinnigen, die meinten, sie müssten unbedingt im Hintergrund auf den Klippen rumklettern.)

    An dieser schmalen Stelle kann man auch Nord- und Südküste von Madeira gleichzeitig sehen:

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    3. Stopp: Porto da Cruz, eine kleine Küstenstadt mit faszinierendem Strand
    Ich glaube, ich stand zehn Minuten regungslos da und habe nur auf die Wellen gestarrt. Ein magischer Ort! Hätte nur noch Nicolas Cage gefehlt 🙂

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    4. Stopp: Santana, hat mir einfach so gefallen

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    5. Stopp: São Jorge, tolle Aussicht
    Dort aß ich in einem kleinen Dorf Kuchen, als Brüssel passierte. Ich hätte kotzen können.

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    Prompt passte sich das Wetter an, Regen.

    6. Stopp: São Vicente, Wasserfall Véu da Noiva (Brautschleier)

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    7. Stopp: Seixal, top Tunnel habense da … Feststellung: Wenn niemand neben einem sitzt, dem man seine Angst mitteilen kann, dann gibt es einfach gar keine Angst. Das ist mit vielen komischen Befürchtungen so, auch im echten Leben außerhalb von maroden Tunnels. Wenn man sie nicht thematisieren kann, fallen sie gar nicht mehr ins Gewicht.

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    8. Stopp: Porto Moniz, essen, trinken, Beine vertreten, langsam merkte ich den Bleifuß.

    Die Fahrt an der Westküste entlang nach Süden war die spannendste. Nadelöhrenge Serpentinen mit 30 Grad Steigung war ich ja schon gewohnt. Nächstes Level: das Ganze im dicken Nebel, so dass ich keine zehn Meter mehr sehen konnte. Im Radio nur noch Rauschen als geschmackvolle Untermalung der düsteren Szenerie, Gegenverkehr von unabschätzbarer Breite (keine Angst, die Vollkasko blieb unangetastet) …

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    Zwischen diesen langen, anstrengenden Wegen lagen winzige Dörfer, bestehend aus halb zerfallenen Häuschen – darunter ein schmuddeliger Laden von acht Quadratmetern Fläche, vollgestopft bis an die schimmlige Decke, der schwarze Bananen und alte Chips mit Ronaldo-Konterfei feilbot. Ein gespenstisches Stück Wegstrecke. Aber ein genauso eindrucksvolles wie die vielen davor, die mich mit Sonne, Wasser, Wind und Klippen aus den Latschen hauten.

    9. Stopp: Ponta do Pargo, zurück in der Zivilisation. Kurzer Stopp: Durchatmen. Crazy. Alles.

    10. Stopp: Funchal, kennt ihr ja schon.

    11. Stopp: Dahoam, Hotelbar, Rotwein!

    Nach dem Essen fiel ich bleischwer ins Bett. Der Bleifuß hatte sich auf meinen ganzen Körper ausgeweitet und mich schließlich erschlagen. Als wollte er sagen: „Gloom, du musst es auch immer übertreiben! Jetzt pennst erst mal, gebloggt wird morgen.“

    … jetzt, wo ich diesen Eintrag schreibe, realisiere ich erst, was ich da in acht Stunden alles erlebt habe.
    Diese Erfahrung war so toll, tollkühn und auch ein bisschen wahnsinnig. Da tanzen die Synapsen Samba, die diese Bilder ins Fotoalbum meines Lebensalbums namens „Unvergesslich“ kleben dürfen.

  • All of my dreams, they fall and form a bridge …

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    … Of memories where I can’t get back
    All of my dreams, they fall and form a bridge
    Of memories where I can’t get back
    To you.

    (First Aid Kit: „Stay Gold“ auf „Stay Gold“)

    Mein Gott, hat das wieder gedauert, bis ich nun endlich die Muße finde, um diesen letzten Beitrag zu meinem Roadtrip-Diary zu schreiben. Jetzt kommt ihr aber nicht drum rum. Ab nach San Francisco – oder Sun Funcisco, wie wir es auch gleich nennen können.

    Angefangen hat alles mit dem Anfang. Was für ein sinnvoller Satz :). Er ist aber so gemeint: Erin, unser erster airbnb-Host in San Diego gab uns den Tipp mit dem Cliff House mit auf den Weg und während der ganzen Reise freuten wir uns darauf, dieses Restaurant als allererstes in SF anzusteuern. Gesagt, getan. Und wie so oft wurden wir von der Natur bombastisch überrascht. Wir genossen unser Frühstück nämlich in Gesellschaft einer wilden Delfinschule.

    Wer auch immer wann auch immer nach SF reist: Macht es uns nach! Das Cliff House ist ein magischer Ort!

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    Merke: Am Meer ist der Himmel verhangen, in der Stadt scheint die Sonne. Ein magisches Phänomen. Gut gestärkt bezogen wir nach dem Brunch im Cliff House unser letztes Heim auf dieser Reise (wir wohnten übrigens in Noe Valley, in der Nähe der Kirche, in/bei/mit der „Sister Act“ gedreht wurde).

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    Und daaann? Ab in die City! Erst mal das Pflicht-Touriprogramm absolvieren, um einzutauchen. Hier hätten wir den berühmten Pier 39 mit seinen stinkenden Robben. Oliver fand die ja wahnsinnig toll. Ich konnte mich irgendwie nicht dafür erwärmen.

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    Aber: Ich habe was gelernt! Seelöwen und Seehunde sind unterschiedliche Tiere, aber beide Robben. Jetzt tut nicht so, als hättet ihr Schlaumeier das wieder gewusst.

    Mich hat dafür Alcatraz aus der Ferne fasziniert. Leider haben wir es nicht mehr geschafft, und den Kasten anzugucken. Vielleicht ist das aber auch das Geheimnis, damit es für immer ein Geheimnis bleiben kann.

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    Machen wir weiter im Touri-Mode und schauen uns SF mal von oben an. Das geht wunderbar vom Coit Tower aus, der auf dem Telegraph Hill wacht. Achtung, es windet da oben. Aber man kommt schnell rein und schnell wieder raus.

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    Wer die Stadt nochmal aus einer anderen Perspektive von oben sehen will, düst noch zu den Twin Peaks Hügeln und schaut von da aus runter. Auch sehenswert! Übrigens sind die da recht lässig, die San Franziscosen. Nirgends wird gehupt, nirgend’s gibt’s Stress. Jegliche Sehenswürdigkeiten kann man easy ansteuern und besichtigen, ohne lange warten zu müssen.

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    San Franciscos Wahrzeichen und die Erklärung für das Eingangs-Songzitat ist aber natürlich die Golden Gate Bridge. Das Gefühl, mit Termie II drüberzubrettern, ist schon erhebend. Auf der anderen Seite gibt es dann diverse Aussichtspunkte, wo man umsonst parken und glotzen und posen kann. Haben wir natürlich gemacht und hatten sauviel Spaß dran nur für euch und wegen der Vollständigkeit erledigt :).

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    (Auf diesem Bild sehe ich aus, als hätte ich während der Reise jeden Tag mehrere Stunden mit extremem Boxsport zugebracht. Habe ich nicht, keine Angst, alles beim Alten.)

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    Nachdem das Pflichtprogramm geschafft war, atmeten Oli und ich durch. Wir hatten an den ersten Tagen in SanFran festgestellt, dass wir irgendwie nicht mehr aufnahmefähig sind. Man steht vor der Brücke – vor DER Brücke – und müsste eigentlich laut schreien und wie ein wilder Affe herumhüpfen vor Überwältigung – aber der Speicher ist voll. Es geht nix mehr rein. Deshalb nutzten wir die letzten Tag, um einfach zu Treiben.

    Zum Beispiel im Hippie-Viertel Haight-Ashbury. Beim Schlendern auf der Haight Street kann man wirklich alles haben: diverse Drogen aus einem alten Hut, original Flapperdresses aus den 20ern, circa jedes Gericht der Welt und ein sofortiges Date mit einem großen, schönen Mann. Selbstverständlich widerstand ich allem und gönnte mir lieber etwas zeitloses Materielles.

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    So, was haben wir noch? Ein kleines Sammelsurium an Restbilder. Es geht dem Ende zu!

    Ein bisschen Strand …

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    Ein bisschen Nachbarschaft – das ist der Mission Dolores Park, da hängt man gegen Nachmittag ab.

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    Ein schön benanntes Hotel in der Innenstadt …

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    Der Union Square mit dem Dewey Monument, der Siegesgöttin …

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    Die Lombard Street …

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    Natürlich auch im Video 🙂 (nicht wundern, das ist von unserer florierenden Facebook-Seite) …

    Und dann kam plötzlich der letzte Abend. Das letzte Dinner, das letzte Menü, das letzte Bier, der letzte Sonnenuntergang und ganz schön viel Stille. Als wir im The Vestry saßen (wir bekamen einen gemütlichen Tisch im Fenster, mehr Romantik am letzten Abend geht nicht) wussten wir beide nicht so recht, was wir sagen sollten. Wie zur Hölle soll man die richtigen Worte finden, um sein Lager in California abzubrechen?

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    Zum Glück entdeckte ich erst nach diesem letzten Abendmahl Folgendes: Portioniertes B&J am Stiel! Das wäre mein tägliches Verderben gewesen, ich schwöre.

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    Wenn ich diese beiden Fotos jetzt poste, sind das die letzten von Juliver CA. Die letzten Bilder unserer großen Reise.

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    Ich würde gerade am liebsten wieder so ein Gesicht ziehen. Es war einfach so unglaublich unglaublich. Ein Traum, der seit meiner Jugend präsent war, ist jetzt plötzlich gelebt und Teil meiner Realität geworden. Ich kann einen Haken hinter diesen Punkt meiner Liste machen und mich mit dem guten Gefühl zurücklehnen, dass ich zurückkehren werde, um die schönsten Sachen nochmal anzuschauen. Irgendwann. Wenn ich wieder träume.

    Wir haben diese drei Wochen mit so vielen Erlebnissen gefüllt, wie man sie sonst nur in 12 Monaten unterbringt.

    Oli, ich danke dir! Wir haben das großartig gemacht und ich sage ganz ohne zu übertreiben, dass das mit Abstand der aufregendste Urlaub meines Lebens war.

    PS: Weil man ja immer brav in die Zukunft blicken soll, haben Jutter und ich uns erlaubt, schon mal unseren „Sommer im Winter“-Urlaub für Februar/März zu buchen. Ich danke dir fürs Organisieren. Indischer Ozean, mach dich wieder bereit, die zwei Surfprofis kommen wieder zum Sporteln BHlosen kommen wieder zum dekorativ in der Sonne liegen.

    PS II: Ab jetzt geht es hier wieder mit der Alltagsberichterstattung weiter. Die musste ja jetzt zwei Monate warten und da hat sich einiges angesammelt. Ich werfe mal BAMBI, Backen, Bauerfeind, Blackroll, Brille, Bayern vs. Rom, Bänderriss, Bücher, (verdammt, jetzt gehen wir die Wörter mit „B“ aus) Frank Juice Detox, Gaslight und Usedom in den Raum. Das wird spannend, nech?