Illness of Heart Tag Archive

  • What a difference a day made, twenty-four little hours …

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    … brought the sun and the flowers
    Where there used to be rain.

    (Dinah Washington : „What a Diff’Rence a Day Makes“)

    „Wieso kommt denn auf dem Blog nix mehr?“, fragte meine Tante mich kürzlich.
    „Weil ich mein Berufsleben da nicht ausbreiten will“, antwortete ich.

    Als ich später nochmal darüber nachdachte, erinnerte ich mich an früher.
    Früher postete ich ständig hier. Kleinigkeiten aus dem Alltag, wichtige und unwichtige Geschichten, einfach Fotos von spektakulären oder belanglosen Erlebnissen mit Texten dazu.
    Das ist alles weniger geworden. Weil June Gloom in zehn Jahren, die es junegloom.de schon gibt, erwachsener geworden ist, vielleicht ein bisschen weniger mitteilungsbedürftig, und weil das hier immer ein Ort für eher nicht so arbeitslastige Themen war. Job war Job, junegloom.de war Spielwiese.

    Mittlerweile verschwimmt das oft. Der Job ist zeitintensiv und ausfüllend und dabei sehr er-füllend und somit gibt es immer weniger alltägliche Lebensgeschichten, die ich hier erzähle. Zeitweise habe ich sogar daran gedacht, junegloom.de dicht zu machen, weil ich nur noch höchstens einmal im Monat etwas schreibe. Doch diese Seite gehört zu mir, ist ein Platz in meinem Leben und für mein Leben, den ich nicht hergeben will. Wenn ich zum Beispiel an mein Madeira-Tagebuch vom letzten Jahr denke, dann wird mir warm ums Herz. Ich bin dankbar dafür, dass ich solche Reisen hier festhalten und bei Bedarf nochmal nachfühlen kann.

    Trotzdem soll junegloom.de nicht nur noch als Reisetagebuch dienen, denn zwischen Reisen und Arbeit muss ja auch noch was sein, was es wert ist, aufgeschrieben zu werden. Deshalb teile ich heute mal ein paar Gedanken zu diesem wunderbaren Tag mit euch.

    Heute war nämlich einer der allerschönsten Tage der letzten Wochen. Ich kam gestern Abend sehr spät von einer vollgepackten Dienstreisewoche heim und fiel völlig erschöpft ins Bett. Erst eine zweitägige Konferenz, dann direkt das GNTM-Finale und danach nochmal eine zweitägige Dienstreise hatten mich die Woche über sehr in Beschlag genommen. All diese Trips quer durch Deutschland waren ereignisreich, spannend, erfolgreich – und anstrengend. Denn man beamt sich ja nicht aus dem eigenen Bett auf einen Stuhl irgendwo, und dann geht’s los, sondern man reist, checkt Tickets, (Internet-)Zugänge, packt Koffer ein und wieder aus, richtet sich jeweils für eine Nacht in fremden Hotelzimmern ein, trifft tausend Leute … es mag sich anhören wie Jammern auf hohem Niveau, aber es zapft auf Dauer doch an der Kraftreserve.

    Genug davon, ich fiel also gestern wie eine spreißelige Holzplanke ins Bett und ich weiß nicht, was über Nacht passiert ist, aber ich wachte heute so erholt und lebenslustig auf, als hätte jemand das Holz abgeschliffen und eingeölt.

    Erster Gedanke nach dem Aufwachen: Wann geht nochmal der Zug?
    Zweiter Gedanke nach dem ersten: Die Reisewoche ist vorbei!
    Ich fühlte mich plötzlich wie gereinigt und völlig frei.
    Endlich nicht aufstehen, um zu packen und in einen Flieger oder Zug zu steigen, sondern um zum ersten Mal in diesem Jahr nur im Top (und natürlich mit Hose, haha) eine Runde im Park laufen zu gehen.
    Endlich ohne Zeitdruck oder Calltime ausgiebig frühstücken, und zwar schön zerrupft im ollen Oasis-Schlaf-Shirt auf dem Sofa mit YouTube-Videos, nicht neben fremden Menschen alleine im Frühstückssaal eines Hotels. Es gab Toast mit Erdnussbutter, Marmelade und Bananen, lecker!
    Endlich ein bisschen gemütlich im Internet surfen, und zwar nicht auf bahn.de, sondern auf meinen Lieblingsblogs, die ich ewig nicht gelesen habe.
    Endlich meine liebste zerfetzte Jeansshorts anziehen, und zwar aus meinem eigenen Schrank, nicht aus dem Koffer.
    Endlich die Stones (12. September Olympiastadion, hell yes!) so richtig nervig laut machen und blöd dazu durch die Bude wackeln, und zwar ungestresst.

    … es tat so gut. Es fühlte sich so richtig und verdient an.

    Dann radelte ich auf Beate III. mit meiner Lieblingsdecke, die mich seit mindestens fünf Sommern treu begleitet, reichlich Wasser und Sonnencreme (und Sekt, der sich dann als alkoholfrei herausstellte, was die Ladys zu „Waaas? Ohne Alkohol? Na zum Glück haben wir noch einen dabei“ verleitete), der Sonnenbrille auf der Nase und ungemachten Haaren in den Englischen Garten zu unserem Stammplatz am Schwabinger Bach.
    Dort traf ich die Girls und wir kaperten ein schönes Plätzchen am Wasser im Schatten und machten uns breit. Für fünf Stunden. Wir und Wiesen und Bäume und der blaue Himmel und die Sonne und dusselige Gespräche über Manuel Neuer und ein paar Schlucke Sekt und Butterkekse und ehrliche Lacher und Speckröllchen und Pieselpausen und blöde Hunde und süße Babys und Nudisten und Eisverkäufer und Pfandsammler und tausend andere Leute, die in Frieden diesen wonnigen Tag genossen und das Leben.

    Das war der schönste, entspannteste, sorgenfreiste Tag seit Langem. Und er ging so einfach.
    Es fühlt sich gerade so an, als ob meine Seele in einer Hängematte liegt und immer wieder kommt jemand und steckt ihr eine süße Erdbeere in den Mund.
    Vermutlich wird sie da nicht ewig liegen, oder es kommt bald wer mit einem Löffel Essig.
    Aber dann nehme ich mir ganz fest vor, ihn auszuspucken und nicht lang im Abgang zu schmecken.

    Auf einen herrlichen Sommer, Herrschaften.

  • I didn’t take no shortcuts …

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    I spent the money that I saved up
    Oh, Momma running out of luck
    Like my sister, don’t give a f***.

    (The Strokes: „Barely Legal“ auf „Is This It“)

    War hier irgendwer schon mal so richtig krass verknallt? Ich meine nicht echte Liebe oder so ein Zeug. Sondern so ein richtig dusseliges, hingebungsvolles, bescheuertes Verknalltsein mit „egal was er macht, er ist der König der Welt“-Gefühl. Treue Leser dieses Blogs dürften bereits ahnen, um wen es in den nächsten Absätzen geht. Schließlich war ich ihm über die Jahre auch auf dieser Seite stets treu (Beweis 1, Beweis 2, Beweis 3). Jackpot, ihr Hirnis, es geht um Julian Casablancas. Seines Zeichens der Mann, der die Strokes groß gemacht, eine phänomenale Soloplatte rausgebracht (DU: Mund halten!) und jetzt nochmal den Hahn aufgedreht hat. Aber damit ich nicht komplett dusselig, hingebungsvoll und bescheuert wirke, machen wir das wieder artig der Reihe nach.

    Team Juliver war am Wochenende in Barcelona und verbrachte dort die bislang schönsten Tage des Jahres 2015. Wie ihr wisst, ging mein erstes Date mit dieser Stadt letztes Jahr wettertechnisch ziemlich in die Binsen (hier nachlesen). Versuch Nummer 2 entschädigte mich gewaltig dafür. Wir hatten vier Tage lang nur Sonne. Als airbnb-Profis mieteten wir uns wieder in so einer Bude ein, diesmal im Viertel La Barceloneta, das direkt am Strand liegt.

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    Tolle Fahrradgaragen haben sie da übrigens auch in dem Haus:

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    „Direkt am Strand“ war wirklich sehr direkt. Aus der Tür, links, 30 Sekunden gehen, schon standen wir im Mittelmeer. Wenn jemand also mal die perfekte Unterkunft für Barca braucht, melden. Ich spiele gerade mit dem Gedanken, sie einfach ganz zu kaufen, meinen Lebensmittelpunkt zu verlegen und der Rest wird sich dann schon von selber erledigen. Will wer mit?

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    Apropos „mit“ … Carsten war natürlich dabei. Da ich Carsten nämlich noch mindestens drei Wochen tragen muss, haben wir zwei uns arrangiert. Er ist jetzt fester Bestandteil meines Lebens, quasi mein Lebensgefährte. Auch meine Freunde haben ihn liebevoll aufgenommen, grüßen mittlerweile zuerst ihn, dann mich und sorgen sich rührend (Anekdote: Oliver steht auf, zieht die Jalousien hoch, sagt „Guten Morgen, Carsten“. Ich sage: „Guten Morgen, Oliver“. Oliver sagt: „Ach ja, guten Morgen, Juli“).

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    Dieser Ausblick war uns allerdings lieber. Es geht nichts über eine schöne, spanische Dosen-Cerveza zur Vorbereitung auf das diesjährige Southside.

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    So, kommen wir zum Anlass dieser Reise: Das Primavera Sound Festival. Es war doch tatsächlich meine erstes Festival im Ausland und das hatte einen triftigen Grund (hier schließt sich der Kreis): Die Strokes gaben sich die Ehre. Diese Band hat meine späten Teenager- und kompletten Twen-Jahre beschallt. Es gibt keinen Song, den ich nicht kenne, und wenn einer irgendwo läuft, macht mein Körper den Namen der Band („Stroke“ heißt übersetzt unter anderem „Schlaganfall“).
    Kurz: Ich bin ein ziemlicher Hardcore-Fan. Eventuell sogar Groupie. Naja, vertiefen wir jetzt nicht. Auf jeden Fall hatten sich nicht nur die Strokes, sondern auch gleich noch Julian mit seinem neuen Band-Projekt „The Voidz“ angekündigt. Dazu Damien Rice und ein paar Konsorten – also mussten wir da hin. Vor Ort trafen wir Angie und Michi, das Cuarteto contento war completo.

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    Wenn dann im warmen Abendlicht so ein Push auf dem Handy erscheint … hach!

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    Das Zeug, das er mit den Voidz macht, kann man sich nicht anhören, ganz grässlicher Rotz. Aber ihn, ihn kann man sich anschauen. Denn der gute Jules hat echt was aus sich gemacht. Die Wuschelfrise ist einem schicken Vokuhila mit roten Highlights gewichen, der einst schlanke Body hat jetzt richtig Wumms und statt Lederjacke trägt er nun vorteilhafte Westen. Böse Zungen mögen behaupten, dass er ein bisschen die Kontrolle verloren hat. Ich glaube, das ist alles so gewollt und Kunst. Ähem. Seine Bühnenpräsenz ist auf jeden Fall so, dass ich mit offenem Mund dastehe und dumm glotze, bis er die Bühne wieder verlässt.

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    Ebenfalls sprachlos machte uns Damien Rice. Wenn ein großer Sack Reis (jaja, der war mies) umfällt, ist das nicht annähernd so gut, wie wenn dieser kleine Mann sich nur mit seiner Gitarre hinstellt und mit voller Inbrunst seine Herzschmerz-Hits schmettert. Wundervoll!

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    Auch sehr wundervoll zu beobachten: Herr Rice gesellte sich danach zu einem Stand auf der Fressmeile, aß Trauben, war „not into that selfie thing“ und – ja – war einfach da und einer von uns.

    Bis es mit den Strokes dann richtig ernst wurde (nämlich am nächsten Tag gegen Mitternacht), ließen wir uns vom Trubel und Getröte in den Straßen aus den Betten katapultieren. Stellt es euch in etwa so vor: Eine bayerische Blaskapelle reißt um 8 Uhr morgens eure Schlafzimmertür auf, quetscht sich hinein und spielt mit sehr viel Nachdruck ihre Liedln. Ununterbrochen, stundenlang, hochmotiviert und weit über Zimmerlautstärke. (Der Grund: Fußball, Copa del Rey = der spanische DFB-Pokal, Barca hat gegen Bilbao gewonnen – wusste ich natürlich alles nicht, musste ich nicht nachschlagen.)

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    Wir machten also ein bisschen Sightseeing und erstanden Dinge, mit denen wir die letzten Lücken im Handgepäckstück füllen konnten (jaja, wir denken mit!).

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    (Nein, er hat das Teil nicht gekauft, ich habe es verboten!)

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    Erwähnte ich, dass ich diese gesüßte Kondensmilch vergöttere? Diverse Vergleiche zu Körperflüssigkeiten verbitte ich mir.

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    So, und dann war der Abend der Abende gekommen. Juliver ließen sich vorsorglich noch piercen. Eigentlich wollte ich auch Julians Frisur nachmachen, aber dazu waren meine Haare noch zu kurz. Good things can wait 🙂

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    Die Nicht-Behindis betätigten sich sportlich:

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    Und dann nahmen wir (drei Stunden vor Anpfiff) unsere Plätze in den vorderen Reihen vor der Bühne ein. Diese Spannung, dieses Gruppen-Freuen auf das Konzert, magisch.

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    Und dann war alles außer Kontrolle und ich 90 Minuten lang in einem anderen Universum. Das kann man eventuell mit einem Fußballspiel vergleichen oder mit „Star Wars“ oder so. Nein, eigentlich kann man es mit nichts vergleichen, ehrlich.

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    Hier noch ein kleines Video von einem meiner liebsten Hits „Taken For A Fool“:

    Was für ein komisches Gefühl das danach war. Einerseits, als hätte man einem Ballon die Luft abgelassen, andererseits, als sei etwas vollgepumpt mit Glück. Vermutlich ich. Sicher sogar! Strokes, danke! Ich verehre euch wirklich dafür, dass ihr so bescheuerte Trennungsspäße sein lasst und stattdessen alle Paar Jahre ein bisschen Kohle in die Kassen spült. Meines wird immer wieder dabei sein. Versprochen.

    Euphorisch und tiefenentspannt nahmen Juliver am Sonntag dann noch ihren Monate im Voraus vereinbarten Termin mit Gaudí wahr. Endlich eine Besichtigung der Sagrada Família, die wollte ich schon so lange sehen.

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    Wer was à la Notre-Dame de Paris oder so erwartet, vergesst es. Die Sagrada ist vom andern Stern, sehr modern. Am tollsten sind die Fenster. Ein klassischer Fall von „kannste im Foto nicht festhalten“, musste hingucken und es dir merken, wenn du dich daran erinnern willst. Es ist, als ob das Licht einen umarmt und ein paar Zentimeter vom Boden hebt.

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    Lustig, dass Julian auch da vertreten ist.

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    So, und jetzt Schluss, hasta luego!
    DANKE an Oli, du unglaubliche Reisebegleitung. DANKE an Angi und Michi, ihr Tollen! DANKE an Carsten, auf dich ist Verlass (sorry, dass du jetzt so dreckig bist).

    Wer kommt nächstes Jahr mit? Also wir fahren wieder, wurscht wer spielt.