Future Now. Tag Archive

  • All the lights in London shining now…

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    …slow ye down and stay a while
    All the lights in London shining now
    Standing in line with these abstract gifts
    Counting the time.

    (David Gray: „Lights of London“ auf „This Year’s Love“)

    I’m back und zwar mit vielen Bildern. Mein Papa mag das nicht so, wenn hier Bilderflut herrscht. Er meint, dass er lieber „knackige Texte“ lesen will. Ja ja, manchmal haben die Oldies Recht. Ich versuche also in diesem Posting Bilder und Texe ordentlich zu mischen.

    London 2012, fünf Tage im Winter. Das letzte Mal, als ich da war, war Sommer. Und das letzte Mal, als ich im Winter da war, hab ich sogar noch da gewohnt. Es ist unglaubliche fünf Jahre her, dass ich in dieser gigantischen Stadt studieren durfte. Fünf Jahre. Klingt viel, ist auch irgendwie viel in jungen Jahren, aber im Grunde ändern fünf Jahre nicht die Welt. Auch nicht sieben. Es gibt ein paar neue Gebäude in London (darunter The Shard, das direkt neben meinem Hostel platziert wurde, fertig ist, unfertig aussieht, und deshalb von potenziellen Mietern verschmäht wird – das größte Gebäude in der EU!), aber in der Tube riecht es gleich. Das mag ich, wenn es wo gleich riecht. Das hat viel mit dem „Heimkommen“-Gefühl zu tun.

    Ich bin zum ersten Mal alleine verreist. Arbeitsreisen mach ich alleine, klar, Freizeitreisen mit Urlaub nehmen und so eher nicht. Aber mir war danach und es tat gut. Ich durfte eine nette Leipzigerin und einen jungen Schönling aus Long Island kennenlernen, dazu einen Schwung Plaudertaschen-Koreanerinnen und eine stille Schwedin. Das ist doch mal was. Wie manche wissen mögen, hasse ich Smalltalk sehr (weil Zeitverschwendung, statt übers Wetter kann man ja wohl gleich zu Themen wie Liebeskummer oder Mario Gomez kommen), doch ab und an ist es ganz angenehm, Quatsch zu reden, damit man nicht komplett aus der Übung kommt.

    Äh, ich texte zu viel, Dad, wir brauchen schleunigst ein Bild. Also here we go, das erste Bild:

    Das bin ich. Spät am ersten Abend. In der Topshop-Umkleide. Nachdem ich feststellte, dass mir ja total entfallen war, dass der bis 22 Uhr offen hat. Das CHILL-Shirt musste also aus rein psychologisch-gesundheitlichen Gründen mit.

    So sieht’s aus auf der Oxford Street. Wenn das nicht einladend ist :):

    In der Hostelbar gab’s anschließend Fußball. Torres‘ Tore halfen aber nix, trotz Megasieg flog Chelsea aus der CL. Wurscht, Hauptsache ich konnte mitjubeln und mitfluchen (die Witze, die ich in Deutschland immer während der WM- und EM-Phasen mache, wollte allerdings keiner checken). Cider: Check.

    Kleiner Exkurs: Es gibt doch noch etwas Neues neben dem Shard (oder habe ich Anti-Alki das nur noch nie bemerkt?). Gläser mit abziehbarem Deckel und Weininhalt. Did anybody ever try?

    Tag 2 startete völlig entspannt (Shopping war ja bereits erledigt) mit einem Besuch meines Lieblingsmuseums, der Tate Modern. Ich mag es, alleine durch Museen zu streichen und vor dem ein oder anderen Bild innezuhalten. Oft laufe ich nach einem kurzen Blick einfach an Werken dieser dämlichen Modernen Kunst vorbei, weil sie mich einfach nicht ansprechen. So zum Beispiel diese aufgehängten Scheißhaufen (pardon, lieber Künstler. Die Installation war sicher sehr aufwändig und du hast dir viel dabei gedacht. Aber ich stehe zu meiner Meinung):

    Dann gibt es Ideen, die ich mir gerne ansehe:

    Am meisten fesseln mich aber Gemälde. Das hier fasziniert mich schon, seit ich das erste Mal davor stand: die berühmten Seerosen von Claude Monet (Impressionist, also Vorreiter der Modernen Kunst und damit durchaus berechtigt, in der Tate Modern zu hängen – nur falls sich ein geneigter Leser wundert). Eigentlich recht düster für Impressionismus. Nun gut.

    Noch mehr gepackt hat mich aber das hier: „Yacht Approaching the Coast“ von Joseph Mallord William Turner (hat die Kombi aus William und Turner irgendwas mit der Seefahrt zu tun? Oder warum heißt Stiefelriemen Bill in „Fluch der Karibik“ auch so? Egal, lassen wir diese Exkurse):

    Ist es ein Sonnenaufgang? Ist es ein Wirbelsturm? Wer kauft mir dieses Bild? Gibt es einen Kunstdruck? Wo? Fragen, die sich mir beim Betrachten stellten.

    Beim Verlassen der Tate traf ich auf einen alten Bekannten, den Riss. Damals war er die Attraktion, jetzt ist er zugespachtelt und stachelt ambitionierte Fotografen zu körperlicher Ertüchtigung an. Nur weiter so, man muss für ein gutes Foto alles geben!

    Nein, ich habe kein Planking betrieben, es ging auch so.

    Im Fenster des Tate Cafés sah ich einen weiteren alten Bekannten wieder: Den Paul. Der Paul steht am anderen Ufer der Themse und ist die tollste Kirche, die ich kenne. Am besten kommt ihr kurz mit rüber.

    Und rein mit uns, es ist schließlich kalt (wir gehen in einen Evensong, da muss man nix zahlen, kann sitzend alles in Ruhe betrachten und dabei knäblichen Chorgesängen lauschen. Dafür darf man keine Fotos machen, aber ich habe eine Technik entwickelt, bei der Fotografieren im Stehen wie SMS-Lesen aussieht. Das war zwar auch nicht erlaubt, aber was tut man nicht alles für ein gutes Bild. Thou Lord, please forgive me):

    Wenn ich in schöne Kirchen gehe, zünde ich immer eine Kerze an. Das hat was Geheimnisvolles, finde ich. Wenn die Kerze dann ihre eigene Flamme trägt und zwischen die anderen gesteckt wird, wünsche ich mir was. Dieser Wunsch brennt dann dort in der Kirche vor sich hin und erfüllt sich, wenn jemand an meiner Kerze eine weitere entzündet. Hoffe ich.

    Draußen sieht es übrigens gerade so aus, da braucht es keine Worte mehr:

    Kommen wir nun zu einer heiligen Gedenkstädte für alle Modebegeisterten! Versierte Damen werden beim Anblick dieser Kreation sofort schnallen, wo wir uns jetzt befinden:

    Richtig, solch filigran gearbeitetes Blumenwerk kommt aus dem Hause Valentino Garavani und darf noch bis März 2013 im Somerset House bestaunt werden:

    Man geht rein (für 9 Pfund, wenn man – wie ich natürlich – keine Scheu hat, einen seit einem Jahr abgelaufenen Studentenausweis vorzuzeigen) und gelangt dann in einen langen Gang. Das soll der Laufsteg sein. Links und rechts stehen schicke weiße Stühle mit handgeschriebenen Platzkarten (die komplette Damenprominez, ob tot oder noch lebendig, ist vertreten) und daneben Kleiderpuppen mit den Valentino-Kreationen. Kerle, ihr mögt jetzt sagen „Alte, was machst du denn so ein Getue um ein paar Kleider?!“ – meine Damen, wir wissen, dass ein Kleid ein Kunstwerk sein kann (wenn es von Valentino und nicht gerade von Versace ist. Ok, der war fies, aber in letzter Zeit versucht sich die gute Dönerteller meiner Meinung nach zu sehr an moderner Kunst.)
    Voilà, auch hier war Fotografieren strengstens verboten, aber ich habe eine Technik entwickelt, im Gehen unauffällig von unter meinem Mantel zu schießen. Das ging ganz gut zwischen all den anderen, die den Laufsteg entlangschritten. Original-Skizzen:

    Anne Hathaways letztjähriges Oscar-Kleid:

    Marie-Chantals Hochzeitskleid:

    (Wer sich fragt, wie ich es geschafft habe, ein Bild von diesem Kleid zu machen, das von einer eigenen Aufpasserin bewacht wurde, die dafür sorgen sollte, dass genau das auf keinen Fall passiert: Ich fragte die Aufpasserin eine dämliche Frage: „Is this really the original or just a copy for this exhibition?“ Sie: „I’m sorry, I don’t know.“ Ich: „Oh okay, thanks.“ Sie: „But I’m interested in that question, I will call my colleague.“ Sie drehte sich um, telefonierte, ich hatte zwei Sekunden, um abzudrücken. Vielleicht sollte ich Paparazza werden.)

    Am nächsten Tag kamen meine Oldies und meine kleine Schwester an und wir schlenderten über den Leicester Square Richtung Covent Garden und von dort an der Themse entlang zum Tower und zur Tower Bridge.

    Dort schmeichelten mir ein paar Japaner sehr, weil es sie kein bisschen störte, dass ich mich mit auf dem Klassenfoto befand (rechts hinten). Als ich mein Glück bemerkte, entfernte ich mich dann aber doch vom Motiv, um es selbst abzulichten:

    Schwesterherz und ich hatten daraufhin famose Laune und machten serienweise Bilder, die meine Mama sicher sehr mag (Zitat: „Jetzt schaut’s halt mal schööön!“):

    Wer mehr Lust auf Sport als auf Idiotenbilder hat, kann sich auf dem Schlittschuhlaufplatz vor dem Tower verausgaben:

    Abends machten wir uns auf Richtung Hyde Park, um durchs Winter Wonderland zu schlendern. Wer Bock hat, die Wiesn in London Revue passieren zu lassen, go for it. Ich fand’s ziemlich angenehm, nach einer Stunde wieder zu gehen, wenn ich ehrlich bin. Die Briten wissen einfach nicht, wie man ein ordentliches Bierzelt aufschlägt. Aber gut, die Lichter waren’s wert:

    Tag 4 begann ich mit einer weiteren Lesson im Fach „Wie mache ich Fotos, wenn es streng verboten ist“. Auf dem Plan: Die „Hollywood Costume“-Ausstellung im V&A (geht noch bis 27. Januar, auch hier empfiehlt sich das Mitführen eines Studentenausweis, Auslaufmodelle möglich). In dunklen Räumen ertönt emotional anmutende Filmmusik und man kann über 100 Filmkostüme ansehen: Von „Vom Winde verweht“ über „Fluch der Karibik“ bis „Harry Potter“, „Twilight“ (ähem, ja, ich habe etwas berührt, was auch schon Robert Pattinson berührt hat, natürlich illegal) und „Black Swan“. Dazu gibt’s auf kleinen Tafeln Infos zu Film und Kostüm und auf Displays Interviews mit den Schauspielern.

    Der Vollständigkeit halber seht ihr hier noch mich in meinem Original-Filmkostüm aus „Wie mache ich Fotos, wenn es streng verboten ist“:

    Auch vor dem V&A kann man ganz wunderbar Schlittschuhfahren (wer halt drauf steht, gell? Da ich gerne ein paar Meter am Stück gleiten möchte, würde ich auf dieser dermaßen überfüllten Bahn vermutlich schnell einen Rappel kriegen):

    Abends suchten wir uns einen netten Pub (ein nettes Pub? Wurscht) und wurden bei „The George Inn“ fündig. Zwar heißt quasi jeder Pub irgendwas mit George, aber gut, kann ja auch nicht alles „Schall und Rauch“ heißen. Wenn der Dickens Charles sogar schon da war, kann’s nicht verkehrt sein. Unten bei George gibt’s viele kleine Räume zum Getränke trinken, oben ist das Restaurant. Es ist seeeehr gemütlich (mit Kamin, vielen Balken, rotem Teppichboden und schiefen Möbeln) und das Essen ist bezahlbar und sehr lecker.

    Die Damen tranken Cider, Dad wählte Ale.

    Cheers!

    Da wären wir auch fast schon am Ende der Reise angelangt, aaaaber ich traf noch Liza, meine Mitbewohnerin von damals. Leider machte mein Handy (= Kamera) nach dem ersten Bild schlapp, aber so kann ich euch wenigstens noch zeigen, wo wir waren:

    Richtig, wieder mal bei einem George, diesmal bei Royal George. (Welche Lokalität jetzt nach welchem George-König benannt ist, dürft ihr herausfinden, damit ihr auch mal was tut hier.)

    Es war sooo lustig, mit Liza in alten Geschichten von damals zu schwelgen. Unsere wenigen Monate mit Vermieterin Mira (Drachen) boten doch so einiges an Stoff, den wir über die Jahre nicht vergessen haben. Und wir stellten fest: Manchmal ist es besser, wenn nicht alles glatt läuft, denn dann erinnert man sich nachher wenigstens daran.

    Tag 5 und damit tag der Abreise ist heute (mittlerweile „war gestern“) und jetzt kommen nur noch drei Bilder.
    Ich reiste mit läppischen 8 Kilo an, nach Bepackung des Koffers mit meinen Einkäufen …

    … kam ich auf lockere:

    Also alles easy.

    London, once again you were:

    Ich kann allen nur dazu raten, ab und zu mal ein paar Tage alleine zu verreisen. Mein nächste Projekt heißt Rom!

    PS: Mario Gomez ist wieder single. Das ist doch eine ganz fabulöse Nachricht zur meiner Rückkunft. Hat er sicher so geplant, der Gute. Damit es etwas gibt, auf das ich mich freuen kann. Werde die Tage mal in der Nachbarschaft (!) nach seinem Klingelschild suchen und um eine Tasse Zucker bitten (das macht man so in Filmen). Als Gegenleistung kann er gerne auf eine Flasche Wein rüberkommen. Mal sehen, welches Original-Filmkostüm ich anziehe.

    PSII: Kann man ab jetzt bitte zumindest in London Ruhe vor diesem seltenblöden Geiger haben? Danke!

  • Zwei Fehler…

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    …kann man machen. Man kann resignieren und man kann am Ende ohne Pause weitermachen. Beides ist nicht gut. Konkret wieder festgestellt vor und nach meinen Master-Prüfungen (anbei, ja, ich bin’s jetzt, geil, wa?):

    1. Punkt, an dem ich resignieren wollte: Ich habe meine Unterlagen zur Morphologie nicht mehr. Muss ich mal in einem Anflug von IchhabdiePrüfungbestandendenScheißbrauchichniemehr entsorgt haben.
    2. Punkt, an dem ich resignieren wollte: Ich stehe mit 50 langwierig ausgesuchten Büchern vor dem Ausleihschalter und erfahre, dass „seit diesem Semester Studenten von anderen Unis nix mehr ausleihen dürfen“. Prima, 50 Bücher wieder einsortiert, Flasche Wein gekauft, Pizza gekauft, Extra-Belag (bei mir dann Käse) gekauft, heim, gegessen.
    3. Punkt, an dem ich resignieren wollte: Ich sitze mit den 50 über Umwegen besorgten Büchern zuhause, sie formen einen Berg, Prophet (= meine Wenigkeit) und Berg (= siehe Bild) wollen nicht zusammen kommen.

    In diesen Tagen habe ich eine Art Tagebuch geschrieben. Ein einfaches Word-Dokument, in das ich immer meine Gedanken eingetragen habe, wenn ich gerade die Kraft hatte. Hier sind sie.

    Montag:

    Ich möchte mich umbringen.
    Ich überlege, ob ich gerade an dem Punkt stehe, an dem mir meine eigene Faulheit ins Gesicht spuckt, oder ob es wirklich die große Belastung ist, die ich mir aufgehalst habe.
    Ich lenke mich ab und versuche, ein paar Stunden den Kopf frei zu bekommen
    –> funktioniert nicht so gut.

    Dienstag:
    Ich starte ungefrühstückt voll durch, komme Mittags wieder an den Punkt, an dem der Suizid eine verlockende Angelegenheit ist.
    Eine Folge „Sex and the City“ – Samanthas Synchronstimme ist einfach nur perfekt und macht mir Mut, alles lockerer zu sehen.
    Ich finde im Internet noch Übungen zur Morphologie, das macht gute Laune. Ich mache alle Übungen erst mal falsch, aber ich merke mir die Fehler.
    Mein Rücken tut sehr weh.
    Ich glaube, ich belohne mich mit den echten Pistol Boots von Acne, wenn die Plackerei vorbei ist. Sowas motiviert.
    Ich stelle mich im Kaninchenparka auf den Balkon und atme die eiskalte Luft ein. Zum ersten Mal glaube ich, dass ich den nächsten Morgen ohne Suizidgedanken überstehen werde. Ich werde vor dem Schlafengehen ein Bad nehmen, jawohl. Und im Bett weiter „Sex and the City“ gucken.

    Mittwoch:
    Guten Tag, es ist 14 Uhr, ich habe die komplette Textgrammatik einmal durch und mein BAMBI-Kleid ist da. Es ist bodenlang, rot und hat Schleifen auf den Schultern. Wahnsinnig Anne Hathaway-esk. Ich probiere es an, es passt sogar und der Ausschnitt ist nicht zu tief. Ich werde toll aussehen. Ganz im Gegenteil zu jetzt, wo ich in John festgewachsen und seit vier Tagen ungeschminkt bin.
    Neuerdings ist mir die Note egal, ich will nur bestehen.

    Donnerstag:
    Ich möchte es so gerne hinter mir haben. Tag 4 der Horrortage ist angebrochen, ich quäle mich in den Tag. Ich lese Dürrenmatts Essays und schäme mich, dass ich sie so überfliegen muss, weil der Zeitdruck zu groß ist, als dass ich mich richtig intensiv damit beschäftigen könnte. Ich bin eine schlechte Studentin.
    Ich hoffe so sehr, dass ich bestehe. Egal wie, Hauptsache beide Prüfungen bestehen.
    Es schenkt mir ein bisschen Ruhe, dass ich morgen noch Zeit habe, um im Zug die Sachen zu wiederholen.
    Alles ist zu viel. Alles ist viel zu viel. Ich will hier weg. Aber kapitulieren gilt nicht, ich bin nicht Physiker Möbius! Na gut, ich habe auch nicht die Weltformel entwickelt. Shit.

    Tag 4 ist zu Ende, morgen ist Tag 5, DER TAG! Ich war noch nie so nervös. Normalerweise schmerzt mein linker Arm, wenn ich nervös bin, er wird dann nicht mehr richtig durchblutet. Jetzt tun beide Arme weh. Ich hab solche Angst! Eure tollen Tipps wie „Entspann‘ dich!“ und „Du musst nur an dich glauben!“ können mich mal.

    Aber andererseits: Ich habe 4 verdammte Tage meines Lebens vergeudet, um diese Prüfungen zu bestehen. 5! Und deshalb werde ich sie jetzt auch bestehen. Diese Argumentation ist einfach schlüssig.

    Freitag:

    Heute ist der Tag. Guten Morgen. Wenn ich an Essen denke, muss ich an Kotzen denken. Wenn ich an Kotzen denke, muss ich an die Prüfungen denken. Wenn ich an die Prüfungen denke, muss ich schreien. Es ist 6 Uhr, ich werde jetzte endspurten und dann nach Regensburg fahren.

    So, jetzt wisst ihr Bescheid. Verzweiflung und Glaube haben sich immer abgewechselt.
    Heute kam die erlösende Mail meiner Dozentin, dass ich es geschafft habe. Master of Desaster. Finally. Zum ersten Mal in meinem Leben ist nach der Prüfung nicht vor der Prüfung. Es gibt jetzt erst mal nichts mehr, wovor ich Angst haben muss oder wofür ich mich aufarbeiten muss.
    Fehler Nummer zwei scheint sich gerade zu ereignen, aber ich halte dagegen. Ich will nicht ohne Pause weitermachen, als wenn nichts gewesen wäre. Ich will mich an diese grausame Woche erinnern, die mich fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Um zu realisieren, dass ich etwas geleistet habe, auf das ich stolz sein kann. Um in Freude innezuhalten.

    Nach den Prüfungen sah ich meine Kumpanen Goethe und Schiller so an und dachte: „Jungs, haltet einfach nur die Klappe!“ Ich denke aber, wir werden Freunde bleiben. Schließlich haben wir einen langen Weg zusammen beschritten.