Baustellenuni Tag Archive

  • Zwei Fehler…

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    …kann man machen. Man kann resignieren und man kann am Ende ohne Pause weitermachen. Beides ist nicht gut. Konkret wieder festgestellt vor und nach meinen Master-Prüfungen (anbei, ja, ich bin’s jetzt, geil, wa?):

    1. Punkt, an dem ich resignieren wollte: Ich habe meine Unterlagen zur Morphologie nicht mehr. Muss ich mal in einem Anflug von IchhabdiePrüfungbestandendenScheißbrauchichniemehr entsorgt haben.
    2. Punkt, an dem ich resignieren wollte: Ich stehe mit 50 langwierig ausgesuchten Büchern vor dem Ausleihschalter und erfahre, dass „seit diesem Semester Studenten von anderen Unis nix mehr ausleihen dürfen“. Prima, 50 Bücher wieder einsortiert, Flasche Wein gekauft, Pizza gekauft, Extra-Belag (bei mir dann Käse) gekauft, heim, gegessen.
    3. Punkt, an dem ich resignieren wollte: Ich sitze mit den 50 über Umwegen besorgten Büchern zuhause, sie formen einen Berg, Prophet (= meine Wenigkeit) und Berg (= siehe Bild) wollen nicht zusammen kommen.

    In diesen Tagen habe ich eine Art Tagebuch geschrieben. Ein einfaches Word-Dokument, in das ich immer meine Gedanken eingetragen habe, wenn ich gerade die Kraft hatte. Hier sind sie.

    Montag:

    Ich möchte mich umbringen.
    Ich überlege, ob ich gerade an dem Punkt stehe, an dem mir meine eigene Faulheit ins Gesicht spuckt, oder ob es wirklich die große Belastung ist, die ich mir aufgehalst habe.
    Ich lenke mich ab und versuche, ein paar Stunden den Kopf frei zu bekommen
    –> funktioniert nicht so gut.

    Dienstag:
    Ich starte ungefrühstückt voll durch, komme Mittags wieder an den Punkt, an dem der Suizid eine verlockende Angelegenheit ist.
    Eine Folge „Sex and the City“ – Samanthas Synchronstimme ist einfach nur perfekt und macht mir Mut, alles lockerer zu sehen.
    Ich finde im Internet noch Übungen zur Morphologie, das macht gute Laune. Ich mache alle Übungen erst mal falsch, aber ich merke mir die Fehler.
    Mein Rücken tut sehr weh.
    Ich glaube, ich belohne mich mit den echten Pistol Boots von Acne, wenn die Plackerei vorbei ist. Sowas motiviert.
    Ich stelle mich im Kaninchenparka auf den Balkon und atme die eiskalte Luft ein. Zum ersten Mal glaube ich, dass ich den nächsten Morgen ohne Suizidgedanken überstehen werde. Ich werde vor dem Schlafengehen ein Bad nehmen, jawohl. Und im Bett weiter „Sex and the City“ gucken.

    Mittwoch:
    Guten Tag, es ist 14 Uhr, ich habe die komplette Textgrammatik einmal durch und mein BAMBI-Kleid ist da. Es ist bodenlang, rot und hat Schleifen auf den Schultern. Wahnsinnig Anne Hathaway-esk. Ich probiere es an, es passt sogar und der Ausschnitt ist nicht zu tief. Ich werde toll aussehen. Ganz im Gegenteil zu jetzt, wo ich in John festgewachsen und seit vier Tagen ungeschminkt bin.
    Neuerdings ist mir die Note egal, ich will nur bestehen.

    Donnerstag:
    Ich möchte es so gerne hinter mir haben. Tag 4 der Horrortage ist angebrochen, ich quäle mich in den Tag. Ich lese Dürrenmatts Essays und schäme mich, dass ich sie so überfliegen muss, weil der Zeitdruck zu groß ist, als dass ich mich richtig intensiv damit beschäftigen könnte. Ich bin eine schlechte Studentin.
    Ich hoffe so sehr, dass ich bestehe. Egal wie, Hauptsache beide Prüfungen bestehen.
    Es schenkt mir ein bisschen Ruhe, dass ich morgen noch Zeit habe, um im Zug die Sachen zu wiederholen.
    Alles ist zu viel. Alles ist viel zu viel. Ich will hier weg. Aber kapitulieren gilt nicht, ich bin nicht Physiker Möbius! Na gut, ich habe auch nicht die Weltformel entwickelt. Shit.

    Tag 4 ist zu Ende, morgen ist Tag 5, DER TAG! Ich war noch nie so nervös. Normalerweise schmerzt mein linker Arm, wenn ich nervös bin, er wird dann nicht mehr richtig durchblutet. Jetzt tun beide Arme weh. Ich hab solche Angst! Eure tollen Tipps wie „Entspann‘ dich!“ und „Du musst nur an dich glauben!“ können mich mal.

    Aber andererseits: Ich habe 4 verdammte Tage meines Lebens vergeudet, um diese Prüfungen zu bestehen. 5! Und deshalb werde ich sie jetzt auch bestehen. Diese Argumentation ist einfach schlüssig.

    Freitag:

    Heute ist der Tag. Guten Morgen. Wenn ich an Essen denke, muss ich an Kotzen denken. Wenn ich an Kotzen denke, muss ich an die Prüfungen denken. Wenn ich an die Prüfungen denke, muss ich schreien. Es ist 6 Uhr, ich werde jetzte endspurten und dann nach Regensburg fahren.

    So, jetzt wisst ihr Bescheid. Verzweiflung und Glaube haben sich immer abgewechselt.
    Heute kam die erlösende Mail meiner Dozentin, dass ich es geschafft habe. Master of Desaster. Finally. Zum ersten Mal in meinem Leben ist nach der Prüfung nicht vor der Prüfung. Es gibt jetzt erst mal nichts mehr, wovor ich Angst haben muss oder wofür ich mich aufarbeiten muss.
    Fehler Nummer zwei scheint sich gerade zu ereignen, aber ich halte dagegen. Ich will nicht ohne Pause weitermachen, als wenn nichts gewesen wäre. Ich will mich an diese grausame Woche erinnern, die mich fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Um zu realisieren, dass ich etwas geleistet habe, auf das ich stolz sein kann. Um in Freude innezuhalten.

    Nach den Prüfungen sah ich meine Kumpanen Goethe und Schiller so an und dachte: „Jungs, haltet einfach nur die Klappe!“ Ich denke aber, wir werden Freunde bleiben. Schließlich haben wir einen langen Weg zusammen beschritten.

  • Brain Power Station.

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    Hier, ganz nach Maggies Manier:
    schreibtisch

    Diese Arbeitsstation befindet sich neben der Stelle, an der ich vor einer Woche eine verdammt gute Nachricht erhalten habe. Und diese Arbeitsstation läuft gerade zu Hochleistungen auf, da noch genau eine Woche bleibt, bis ich umziehe. Jawoll!

    Helft mir, indem ihr mir sagt, in welchen Printwerbeanzeigen sich Metaphern verstecken. Dann geht meine letzte HA schneller über die Bühne!