Eigentlich wollte ich zu diesem Thema gar nix schreiben, weil es einfach so unglaublich bescheuert ist.
Aber da mir der Vorfall nicht aus dem Kopf geht und ich irgendwie das Gefühl habe, meiner Sally ein paar Abschiedsworte schuldig zu sein, kommt jetzt doch ein Posting.

Sally war mein Auto. Ein verlässlicher Kleinwagen der Marke Ford, den mir meine großzügigen Eltern vor 14 Jahren schenkten. Da fahrbare Untersätze von mir immer Namen bekommen (an dieser Stelle herzliche Grüße an Beate I, II und III, meine Fahrräder), weil man ja doch viel Zeit zusammen verbringt, taufte ich mein Auto Sally. Das passte irgendwie. Sally war mein ganzer Stolz, mein bequemes Fortbewegungsmittel, mein CD-Player (ich kaufte mir tatsächlich CDs, um sie im Auto zu hören), mein Lagerraum (ich besitze einen extrem sperrigen Gitarrenkoffer und hatte eine Zeit lang keinen Keller), ein sicherer Ort für viele gute Gespräche, eine treue Reisebegleiterin. Mein Gefährt und meine Gefährtin.
Kurz: Sally war immer da, wir konnten uns aufeinander verlassen und sie hat keine Mätzchen gemacht.

Sally und ich haben so viele Trips zusammen erlebt. Nach dem Kennenlernen ging’s erst mal zur Schule, an den See, ins entfernte München zu Konzerten. Dann zum Studium nach Regensburg. Dann zu Praktika nach München und schließlich zogen wir beide dauerhaft da hin. Wir waren in ganz Deutschland unterwegs, sind nach Frankreich, Italien, Österreich, in die Schweiz gefahren. Sally hat mich und die Meute (und tonnenweise Gepäck) sicher zum Southside gebracht, mir und meinem damaligen Freund meinen ersten Hauptstadtbesuch ermöglicht, während unseres Volo-Lehrgangs in Offenburg einen Ausflug nach Straßburg mit uns gemacht und so oft dafür gesorgt, dass wir spontan in die Fluten eines Sees oder Meeres springen konnten. Immer dabei waren mein Korb voll CDs und ein paar Grashalme vom Festival. Sally verlangte nur genau zwei Mal in den ganzen 14 Jahren nach ein paar Streicheleinheiten, nämlich als nach zehn Jahren ihre erste Batterie den Geist aufgab und als die Bremsen mal ein bisschen aufgerüstet werden mussten.

Jetzt ist Sally tot. Denn als ich kürzlich auf der Autobahn nach Regensburg war, hat plötzlich irgendwas nicht mehr funktioniert, so dass der Motor sich überhitzte und in Flammen aufging. Von jetzt auf gleich, ohne Vorwarnung. Vermutlich hatte ein Lämpchen im Display versagt. Ich will die Situation gar nicht nochmal genau beschreiben, weil es schrecklich war und ich die Bilder eh nie mehr aus dem Kopf kriege.
Zusammengefasst: Sally brannte, 100 Meter weiter weg stand zitternd ich mit meinem Handy am Ohr, um Feuerwehr, ADAC und Co. zu verständigen. Mir ist nichts passiert, ich hatte riesiges Glück, dass ich rechtzeitig und unbeschadet aus dem Auto gekraxelt bin, ohne in ein vorbeibrausendes zu rennen und ohne eine schöne Rauchvergiftung abzukriegen.

Das alles fühlte sich an wie ein Actionfilm, der an mir vorbeirauschte. Oder „Cobra 11“ oder sowas. Aber es war kein Film.

Sally ich danke dir für 14 freundschaftliche Jahre, du treue Seele.
Dass es jetzt unerwartet zu einer Einäscherung kam, wollte ich nicht.
Ich vermisse dich, ich denke jeden Tag an dich. Mach’s gut, mein Schatz!